Arthropoden (= Gliederfüßer) sind kurz gesagt eine zusammenfassende Bezeichnung für unter anderem Insekten, Tausendfüßer, Spinnentiere und Krebstiere. Da bei MikroSafari auch Spinnen, Asseln und Tausendfüßer erforscht werden (die alle nicht zu den Insekten gehören) verwenden wir die Bezeichnung Arthropoden.
Arthropoden sind weltweit verbreitet und enthalten insgesamt ca. 80% der bekannten Arten. Sie übernehmen im Ökosystem wichtige Rollen wie zum Beispiel die Bestäubung von Pflanzen, die Zersetzung von organischen Materialien, aber sie dienen auch als wichtige Nahrungsquelle für größere Tiere, wie zum Beispiel Vögel. Gerade wenn es um gesunde Böden geht, leisten sie wichtige Dienste. Durch Arthropoden verbessert sich die Bodenstruktur durch beispielsweise Drainage oder Belüftung. Auch die chemische Zusammensetzung des Bodens durch die Zersetzung organischer Stoffe wird durch Arthropoden verbessert. Arthropoden sind wichtige Bioindikatoren, das heißt, dass durch sie Veränderungen wahrgenommen werden können, da viele Arten auf und im Boden leben, wodurch sie anfälliger für Veränderungen des Bodens (z.B.Veränderung der Feuchtigkeit oder Verschmutzung) sind.
Durch den Klimawandel sind viele Arten stark bedroht. Da Arthropoden einen Großteil der Arten darstellen, ist ihre Diversität besonders gefährdet. Daher ist es wichtig, Lebensräume für sie zu schaffen.

Das Experiment besteht aus mehreren Teilen
- Bodenfallen:
Hier werden mit Fangflüssigkeit gefüllte Becher in den Boden vergraben und somit Arthropoden, die auf dem Boden leben, über zwei Wochen gefangen. Damit soll die Zusammensetzung von Arthropodengemeinschaften über verschiedene Kleingärten und Kleingartenkolonien hinweg kartiert und untersucht werden, um zu verstehen, wie menschlicher Einfluss im Garten die Artengemeinschaften verändern kann. Außerdem werden der Grad der Urbanisierung und Klimadaten (Feuchtigkeit und Temperatur) gemessen, um zu verstehen, wie die Artengemeinschaften durch Umweltveränderungen beeinflusst werden. - Teebeutelexperiment:
Hier werden zwei Teebeutel für zwei Wochen im Boden vergraben. Bevor sie vergraben werden und nachdem sie wieder ausgegraben und getrocknet wurden, werden sie gewogen und der Gewichtsunterschied gemessen. Damit lässt sich feststellen, wie aktiv die Mikroorganismen des Bodens sind. - Klimamessungen:
Mit einem einfachen Klimalogger werden automatisch Boden- und Lufttemperatur und Feuchte gemessen. - Umfragen:
Um festzustellen, wie Gärtnerinnen und Gärtner ihren Garten gestalten und managen, werden mithilfe von Online Umfragen Daten zur Bewässerung, Mahd sowie Dünger- und Pestizideinsatz erhoben. Das Ziel ist es, so viele verschiedene Gärten wie möglich mit einzubeziehen! Ob der Garten verwildert oder sorgfältig angelegt ist, alle sind herzlich eingeladen mitzumachen.
Im Anschluss an die Beprobung wird es ein gemeinsames Bestimmungsevent geben an dem alle Gärtnerinnen und Gärtner die Fallen aus ihrem Garten mitbringen können. Mithilfe von Mikroskopen und Bestimmungsliteratur wird dann gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bestimmt und sortiert, was so an Arthropoden in den Gärten existiert. Außerdem besteht natürlich die Möglichkeit, offene Fragen zu stellen und zu klären und Feedback zu geben.
Zusätzlich werden im Frühjahr 2026 moderne DNA Methoden getestet. Dabei versuchen wir, Arthropoden auf Pflanzen nachzuweisen, indem wir die DNA, die Arthropoden auf beispielsweise Blättern hinterlassen haben, zu isolieren und analysieren. Sollte diese Methode erfolgreich sein, werden wir sie im Herbst 2026 und im Folgejahr auch für alle Teilnehmenden anbieten.
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Wir möchten mehr über Arthropoden in städtischen Gärten in Zeiten des Klimawandels erfahren. Uns interessiert dabei besonders, welches Potential Kleingärten für Biodiversität haben und welchen Beitrag Menschen dazu leisten können. Dazu erforschen wir gemeinsam mit Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern das Vorkommen und die Verteilung verschiedener Arten im städtischen Raum in Jena und Berlin. Die teilnehmenden Gärten bilden dabei einen Schnitt durch alle Management Strategien, von verwildert bis sorgfältig angelegt soll alles dabei sein, um herausfinden zu können, welchen Einfluss das auf die vorhandenen Insekten und Arthropoden hat. Außerdem werden verschiedene Kleingartenkolonien betrachtet. Die teilnehmenden Kleingärten liegen in jeder Stadt entlang eines Gradienten vom Stadtzentrum bis zum Stadtrand. Da Städte eine höhere Durchschnittstemperatur besitzen als ihre ländliche Umgebung, man spricht vom sogenannten ‚städtischen Wärmeinseleffekt‘ (Urban Heat Island Effect, UHI), ermöglichen die Arbeiten der MikroSafari eventuelle Rückschlüsse auf den Zusammenhang von Temperatur, Artenzusammensetzung sowie Urbanisierung.
Wir möchten mit allen Gärtnerinnen und Gärtnern zusammenarbeiten, und so das Interesse an Insekten und Arthropoden sowie das Verständnis über die Auswirkungen von Klimawandel und Urbanisierung auf die Artenvielfalt zu stärken. Wir wollen Strategien entwickeln, mit denen Lebensräume für Insekten in urbanen Gebieten geschaffen werden können. Gärtnerinnen und Gärtner lernen in Zusammenarbeit mit Forschenden bei der MikroSafari wissenschaftliche Methodik kennen und eignen sich neue Erkenntnisse über Insektenarten und deren Vorkommen im eigenen Umfeld an. Im gemeinsamen Bestimmungsevent können die Ergebnisse direkt geteilt werden. Zudem können die Teilnehmenden Fragen an Experten stellen.

